Die Dokumentationsstelle Politischer Islam (DPI) nahm am 10. Juni 2026 am zweiten Kolloquium zum Thema „Islamismus in Europa“ des CERIF (Centre européen de recherche et d’information sur le frérisme) in Saint-Ouen bei Paris teil. Wie unter anderem auch die französische Tageszeitung „Le Figaro“ berichtete, brachte die Veranstaltung Expertinnen und Experten aus Europa und Nordamerika zusammen, um aktuelle Entwicklungen islamistischer Bewegungen, ihre Netzwerke sowie demokratische Gegenstrategien zu diskutieren.
Im ersten Panel „Qui sont les Frères musulmans, comment agissent-ils?“ (Wer sind die Muslimbrüder, wie gehen sie vor?) diskutierte der stellvertretende Direktor der DPI, Ferdinand Haberl, die Frage, wie demokratische Gesellschaften auf Akteure des legalistischen Islamismus reagieren können. Am Beispiel der Muslimbruderschaft – einem der einflussreichsten transnationalen Akteure des Politischen Islam – zeigte er auf, dass deren Einfluss in Europa häufig nicht durch offene Konfrontation, sondern durch Aktivitäten innerhalb zivilgesellschaftlicher Strukturen, Bildungsinitiativen und legalistischer Organisationsformen ausgeübt wird.
Vor diesem Hintergrund stellte Haberl die Arbeit der Dokumentationsstelle als wissenschaftlich fundierte demokratische Gegenstrategie vor. Die Analyse islamistischer Ideologien und Netzwerke, die Aufbereitung von Forschungsergebnissen für Bildungseinrichtungen, Medien und Entscheidungsträger sowie die öffentliche Wissensvermittlung leisten einen wichtigen Beitrag dazu, islamistische Einflussnahmen sichtbar zu machen und gesellschaftliche Resilienz zu stärken.
DPI-Wissenschaftskoordinator Alexander Weissenburger nahm ebenso am ersten Panel teil. Im Mittelpunkt seines Vortrags stand die salafistische Missionsorganisation „IMAN“, die vor allem im deutschsprachigen Raum aktiv ist. Er betonte, dass trotz ideologischer und historischer Unterschiede zwischen salafistischen Akteuren und der Muslimbruderschaft in Europa vielfach gemeinsame Narrative, persönliche Verbindungen und ähnliche gesellschaftspolitische Zielsetzungen bestehen. Laut Weissenburger lässt es den Schluss zu, dass unterschiedliche islamistische Strömungen in bestimmten Bereichen kooperieren können, wenn sie das gemeinsame Ziel einer stärker islamisierten Gesellschaft verfolgen.
Website des Centre Européen de Recherche et d'Information sur le Frérisme