Videovorstellung des 4. Panels des EU Knowledge Hub on Prevention of Radicalisation mit dem stellvertretenden DPI-Direktor Ferdinand Haberl
Die Dokumentationsstelle Politischer Islam (DPI) ist seit 2025 ein aktiver Teil des EU Knowledge Hub on Prevention of Radicalisation und beteiligte sich im letzten Jahr an vier Panels zum Schwerpunkt „Local Dimension, Polarisation and Resilience Building“. Die Zusammenkünfte wurden von Catherine Durand gemeinsam mit dem stellvertretenden DPI-Direktor Ferdinand Haberl geleitet. Ziel dieser EU-Zusammenarbeit ist es, präventive Ansätze gegen Radikalisierung und Extremismus zu stärken, den Austausch zwischen Praxis, Forschung und Politik zu fördern sowie die lokale Resilienz in europäischen Gesellschaften nachhaltig auszubauen.
Das erste Treffen fand im Jänner 2025 in Brüssel statt und stand im Zeichen eines gemeinsamen Rück- und Ausblicks. Im Fokus lagen aktuelle Entwicklungen in den Bereichen Extremismusprävention, hybride Bedrohungen sowie die zunehmende Bedeutung von Online-Radikalisierung und Desinformation. Die Diskussionen verdeutlichten, dass Prävention nicht allein sicherheitsgetrieben sein darf, sondern auf Kooperation, Wissenstransfer und frühzeitige Interventionen setzen muss – insbesondere im Hinblick auf junge Menschen.
Die zweite Zusammenkunft im Juni 2025 in Lyon widmete sich schwerpunktmäßig der Prävention von Radikalisierung bei Minderjährigen. Dabei wurden interne und externe Einflussfaktoren wie Familie, Peer Groups, Schule und digitale Räume diskutiert. Es wurde deutlich, dass Radikalisierungsprozesse bei Jugendlichen häufig durch Fragen von Identität, Zugehörigkeit und Anerkennung getrieben sind. Die Teilnehmenden betonten die Notwendigkeit früher und ganzheitlicher Ansätze sowie einer engen Zusammenarbeit zwischen Familien, Bildungseinrichtungen und lokalen Akteuren.
Die dritte Session, die im September 2025 online durchgeführt wurde, konzentrierte sich auf den Aufbau lokaler Resilienz und den Umgang mit Polarisierung. Zentrale Themen waren strategische Kommunikation, Vertrauen in Institutionen sowie die Rolle zivilgesellschaftlicher Netzwerke. Anhand des CORE-Resilience-Modells wurde aufgezeigt, wie lokale Herausforderungen systematisch analysiert und ressortübergreifende Lösungen entwickelt werden können. Ein besonderer Fokus lag auf evidenzbasierter Arbeit und Evaluation als Grundlage wirksamer Präventionsstrategien.
Den Abschluss des Jahres bildete das vierte Meeting im Dezember 2025 in Wien, an dessen Organisation die DPI maßgeblich beteiligt war. Im Zentrum stand der Whole-of-Society-Ansatz, der die gemeinsame Verantwortung von Staat, Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Bildung, Sozialbereich und Sicherheitsakteuren betont. Im Rahmen eines Study Visits besuchten die Teilnehmenden auch das Bundeskanzleramt (BKA) und traten in den Austausch mit österreichische Strukturen in den Bereichen Prävention, Jugendarbeit, Krisenresilienz, Bildung und Sicherheitspolitik. Fachvorträge und eine abschließende Diskussion rundeten das Programm ab.
Über alle vier Sessions hinweg zeigte sich ein gemeinsamer Nenner: Wirksame Prävention gegen Radikalisierung und Polarisierung erfordert lokale Verankerung, sektorenübergreifende Zusammenarbeit, gegenseitiges Vertrauen sowie den konsequenten Transfer von Wissen in die Praxis.